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Tower und Ground: Lotsen im Flugplatzverkehr

Wer an einem Verkehrsflughafen unterwegs ist, hat in der Regel mit zwei verschiedenen Fluglotsen zu tun. Beide haben ihren Arbeitsplatz im sogenannten „Tower“, jedoch unterscheiden sich ihre Zuständigkeitsbereiche.

„Ground“ oder „Rollkontrolle“

Die „Rollkontrolle“, oder auf Englisch „Ground“, regelt allein den Verkehr auf dem Boden, also insbesondere auf den Rollwegen. Auf großen Flughäfen ist auch am Boden viel los: Diverse Flugzeuge machen sich in dem teilweise recht komplizierten Netz aus Rollwegen zur Piste auf (es gibt nicht selten mehrere Start- und Landebahnen) oder müssen nach ihrer Landung von der Piste zum Terminal gelotst werden. Da dieser Verkehr nicht unerhebliche Ausmaße annehmen kann, bietet es sich an, ihn auf einer eigenen Funkfrequenz abzuwickeln.

Viele große Flughäfen verfügen zudem über eine eigene Vorfeldkontrolle, die auf einer eigenen Frequenz mit „Vorfeld“ oder „Apron“ gerufen wird. Bei der Vorfeldkontrolle handelt es sich jedoch häufig nicht um Fluglotsen, sondern um erfahrene Mitarbeiter des Flughafens. Diese sind nicht bei der Deutschen Flugsicherung (oder einer vergleichbaren Institution im Ausland) sondern beim Flughafenbetreiber angestellt und nur innerhalb ihres Bereichs auf dem Flugplatz weisungsberechtigt gegenüber Luftfahrzeugführern. Die Mitarbeiter der Vorfeldkontrolle weisen unter anderem Parkpositionen zu, organisieren die „Pushbacks“ (das Ausparken) für die Airliner und schicken das Follow-me-Fahrzeug los, wenn Piloten nicht mit dem Flughafen vertraut sind. In der Flugplatzkarte ist der Zuständigkeitsbereich der Vorfeldkontrolle eingezeichnet. Privatpiloten kommunizieren aber häufig gar nicht mit ihr.

„Tower“ oder „Turm“

Der Tower-Lotse sitzt im Turm neben dem Lotsen der Rollkontrolle, funkt jedoch auf einer weiteren Frequenz. Die beiden Positionen arbeiten sich während ihrer Schicht ständig gegenseitig zu: Der Ground-Lotse übergibt abflugbereite Flugzeuge an den Tower-Lotsen und dieser wiederum überstellt gelandete Luftfahrzeuge an die Rollkontrolle.

Der Tower-Lotse erteil Start- und Landefreigaben und regelt die Staffelung innerhalb seiner Kontrollzone, dem innersten Teil des geschützten Luftraums um den Flughafen.

Normalerweise bittet der Turm den Piloten eines gelandeten Flugzeugs, die Frequenz zu wechseln und die Rollkontrolle zu kontaktieren. Besonders auf kleineren Flughäfen und wenn sich die Piloten auf dem Platz gut auskennen kann dieser Frequenzwechsel auch entfallen und durch eine knappe Rollanweisung des Tower-Lotsen ersetzt werden.

„Personalunion“ bei wenig Verkehr und Personalengpässen

Kleinere Verkehrsflughäfen unterscheiden häufig nicht zwischen Rollkontrolle und „Tower“. Ein Lotse allein kümmert sich dann sowohl um den Verkehr am Boden als auch um die Flugzeuge in der Luft. Meist wird in diesen Fällen im Luftfahrthandbuch nur eine Turmfrequenz angegeben. Seinen Einleitungsanruf vor dem Rollen richtet der Pilot dann auch direkt an den Turm und nicht an die Rollkontrolle. Abgesehen davon, dass der Frequenzwechsel zwischendrin entfällt, unterscheidet sich das Protokoll jedoch nicht von der herkömmlichen Vorgehensweise.

Es ist ebenfalls möglich, dass man an einem Flughafen, der eigentlich über beide Frequenzen verfügt, auch einmal nur zu einem Lotsen Kontakt hat. Dieser bedient dann kurzfristig beide Frequenzen. Es ist auch üblich, dass die ATIS, die automatische Bandansage, die per UKW Wetter- und Flugplatzinformationen bietet, über eine nichtbesetzte „Ground frequency“ informiert.

Stift zur Hand

An Verkehrsflughäfen sollte ein Pilot also immer damit rechnen, dass er zum Wechseln der Funkfrequenz aufgefordert wird. Es ist daher ratsam, Stift und Papier bereitzuhalten, um gegebenenfalls die neue Frequenz notieren zu können. Auch gute Vorbereitung hilft. Die Frequenzen können schließlich schon bei der Sichtung der Karten und des Flughandbuchs in Erfahrung gebracht werden.